Nachdem das Jugendamt ihrer Mutter das Sorgerecht entzogen hatte, lebte Inge Viett ab 1946 zunächst in einem Kinderheim. 1950 kam sie zu einer Pflegefamilie nach Schleswig-Holstein, aus der sie nach neun Jahren floh. In Hamburg schlug sich Viett mit Gelegenheitsjobs durch, strippte in St. Pauli und begann sich zu politisieren. 1968 zog sie nach West-Berlin, beteiligte sich an Demonstrationen der APO und wurde schließlich Mitglied der Bewegung 2. Juni.
Viett war u. a. an der Lorenz-Entführung 1975 und an einer Gefangenenbefreiung 1978 beteiligt. Am 7. Mai 1972 sowie am 9. September 1975 wurde sie verhaftet, brach aber beide Male aus dem Gefängnis aus. Am 7. Juli 1976 flohen Inge Viett, Gabriele Rollnik, Monika Berberich und Juliane Plambeck aus der Frauenhaftanstalt Lehrter Straße in Berlin. Sie setzten sich über die Agentenschleuse im Bahnhof Berlin Friedrichstraße mit Hilfe der Stasi in die DDR ab.
1981 schoss sie in Paris auf einen Polizisten, der dabei schwer verletzt wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt.
1982 konnte sich Viett mit erneuter Hilfe der Stasi der Strafverfolgung entziehen, da ihr wieder die Flucht in die DDR gelang. Dort lebte sie zunächst unter dem Namen Eva-Maria Sommer in Dresden und absolvierte eine Ausbildung zur Repro-Fotografin. Nachdem der Verdacht aufkam, dass es sich bei ihr um die in der BRD Gesuchte handele, konnte sie 1987 nach Magdeburg übersiedeln. Dort lebte sie als Eva Schnell und war Gruppenleiterin in einem Kinderferienlager des Schwermaschinenbau-Kombinats „Karl Liebknecht".
Nach dem Mauerfall wurde Viett am 12. Juni 1990 in Magdeburg verhaftet. Vom Oberlandesgericht Koblenz wurde sie 1992 aufgrund der Schüsse auf den Polizisten in Paris wegen versuchter Tötung zu 13 Jahren Haft verurteilt. Im Januar 1997 wurde nach Verbüßung der halben Strafe der Rest zur Bewährung ausgesetzt, und sie konnte das Gefängnis verlassen. Schon während ihrer Gefangenenzeit erschien ihr erstes Buch. Heute ist Viett weiterhin als Schriftstellerin tätig. Viett hat sich bis heute nicht von den bewaffneten Aktionen der RAF distanziert. Bei einem Auftritt am 28. Juni 2007 in Luzern (Schweiz) sagte sie zu den militanten Widerstandsaktionen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm, es sei „schon toll" gewesen, dass es einen „so starken Widerstand gegen die Repression der Polizei" gegeben habe. Endlich habe sie mal wieder „Polizisten rennen gesehen".
Der Regisseur Volker Schlöndorff benutzte Motive aus ihrer Autobiographie für seinen Film Die Stille nach dem Schuss. Daraufhin warf Viett ihm und Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase vor, ein Plagiat begangen zu haben [1]. Beide Parteien konnten sich außergerichtlich einigen.
Viett veröffentlichte am 24. Februar 2007 in der Tageszeitung „junge Welt" einen Beitrag, in dem sie u. a. schreibt, dass der „politisch/militärische Angriff" damals „für uns der angemessene Ausdruck für unseren Widerstand gegen den Kapitalismus" gewesen sei. Rückblickend beklagt sie, „dass dem Guerillakampf in der BRD und in allen imperialistischen Staaten verdammt mehr Erfahrung, Klugheit, Ausdauer und Unterstützung zu wünschen gewesen wären". Dieser Zeitungsbeitrag ist mit dem Titel „Lust auf Freiheit" überschrieben. Die bewaffneten Aktionen der RAF bezeichnete sie in diesem Beitrag als „Klassenkampf von unten". Vor vierzig Jahren habe es eine kleine Schar von Menschen gegeben, die entschlossen den Kampf gegen die deutsche Elite und ihr Machtsystem aufgenommen hatten, so Viett. Inspiriert worden sei man dabei von den antikolonialen und nationalen Befreiungsbewegungen.